100 Jahre SV08

(Helmuth Bock, 16. September 2008)

Der Schwimmverein 08 Saarbrücken feiert in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag. Mit einer Matinee wurde am 16. September 2008 der erste Teil der Feierlichkeiten in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, darunter der saarländische Sportminister Klaus Meiser, Kulturdezernent Erik Schrader, Bezirksbürgermeisterin Christa Piper sowie prominenter Vertreter aus der schwimmsportlichen Szene an historischer Stätte, nämlich auf dem ehemaligen Vereinsheim des SV 08, dem „Schwimmschiff Vaterland“ begangen.

Vereinschef Ernst Gilcher gab in seinen Begrüßungsworten („Willkommen an Bord“) einen kurzen Einblick in die wechselvolle, traditionsreiche Geschichte dieses ältesten Schwimmvereins im Saarland, der in seinen Blütezeiten über 1.500 Mitglieder zählte, und der im gesellschaftlichen und gesundheitlichen Leben der Stadt vor allem mit seinen beliebten Strandfesten (Vorläufer des heutigen Saar-Spektakels) für Furore gesorgt hat.

Auf die wechselvolle 08-Geschichte ging auch Sportminister Klaus Meiser in seinem Grußwort ein und fand dabei den Bogen zur derzeitigen Situation der saarländischen Schwimmbäder. Hier dürfe nach Meisers Meinung im Zuge der haushaltspolitischen Schieflagen der Städte und Kommunen die Frage nicht lauten „Wieviele Bäder können wir noch schließen, um Kosten zu sparen?“ sondern man müsse nach Lösungen suchen, wie man die derzeit vorhandenen Bäder erhalten und sanieren könne. So wie man dies in der jüngsten Vergangenheit bei den Sporthallen praktiziert habe. Denn schließlich sei „Schwimmen die Sportart, die am meisten für die Gesundheit wirke!“

Der Präsident des Süddeutschen Schwimmverbandes, Norbert Kugler, griff als langjähriges Mitglied des Jubelvereins (über 60 Jahre) in seinem Grußwort einmal ganz tief in die eigene Nostalgiekiste. So erinnerte er beispielsweise daran, dass der SV 08 nach dem 2. Weltkrieg 1948 zunächst dem damaligen - von der französischen Militärregierung geforderten - Omnisportverein SV Saar 05 Saarbrücken beitreten musste, bevor die eigene Selbständigkeit zwei Jahre später 1950 endlich wieder erreicht werden konnte. Er rief die zahlreichen sportlichen Erfolge im Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball in Erinnerung und fand bei seinen Recherchen sogar heraus, dass dem Verein auch einmal eine eigene Tischtennis-Abteilung angehörte.

Das "Schiff Vaterland" ankert heute an der Wilhelm-Heinrich-Brücke.

Schwimmer-Landespräsident Dr. Bernd Coen erinnerte daran, dass es zwei Akteure des SV 08 gewesen waren, die einmal saarländische Sportgeschichte geschrieben hatten: Vor genau 40 Jahren unterbot der heutige Bundestrainer Achim Jedamsky im Saarbrücker Stadtbad auf der 100-m-Kraulstrecke mit 59,7 Sekunden erstmals die Minutengrenze. Und 20 Jahre später machte es ihm seine Vereinskameradin Katrin Ziegler gleich: auch nach ihrem Rennen stoppten die Uhren exakt bei 59,7 Sekunden.

Bezirksbürgermeisterin Christa Piper gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Saar mittelfristig zum Baden freigegeben werden könne. Vielleicht könnte hierbei das beabsichtige Großprojekt „Stadtmitte am Fluss“, so ihre Vision, motivierend wirken: „Immerhin sind ja die Fische aus der Saar schon wieder essbar!“

Geschichtlicher Hintergrund

Der Gedanke, das Schwimmen in Saarbrücken auf einer sportlichen Grundlage aufzubauen, ist bei der Einweihung des Kaiser-Friedrich-Bades, das spätere Stadtbad, im Jahre 1906 entstanden. Zwei Jahre später war es soweit, im Dezember 1908 wurde der Schwimmverein 08 Saarbrücken gegründet. Den Vorsitz des Vereins übernahm Wilhelm Bächle.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden bereits regionale und nationale Schwimmfeste ausgerichtet und die Erfolge der 08-Schwimmer führten zu einer rapiden Ausweitung der Mitgliederzahlen. Durch den Krieg 1914–1918 wurde die im Aufbau befindliche Vereinsarbeit zum Erlahmen gebracht. Nachdem das "Saargebiet" dem Völkerbund unterstellt wurde, gelang es verschiedenen Mitgliedern unter der Führung von Dr. Dr. Becker, das Vereinsleben wieder zu aktivieren und erneut sportliches und gesellschaftliches Ansehen zu erzielen.

Die erste Vereinsstätte wurde im Jahre 1926 durch den Kauf eines alten Saarschiffes ermöglicht, das auf den Namen "Zutrauen" getauft wurde. Damit war eine Grundlage geschaffen, um das erste Strandfest durchzuführen. Im Jahre 1932 lief dann das neue Schiff "Vaterland" vom Stapel und löste die "Zutrauen" ab.

Die Blütezeit des Vereins mit schwimmsportlichen Erfolgen der Schwimmer, der Wasserballer und der Turmspringer im gesamten damaligen Reichsgebiet sowie im Ausland bestand bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. Der erneute Krieg schaltete das Vereinsleben auf Null. Die "Vaterland" wurde versenkt.

Der Neuaufbau des SV 08 Saarbrücken in der Nachkriegszeit ist ganz eng mit dem Namen Kaspar Bock verbunden. Ihm gelang es durch unermüdlichen aktiven Einsatz auch die über Saarbrücken hinaus beliebten Strandfeste 1947 wieder aufleben zu lassen, bis der Badebetrieb in der Saar wegen der zunehmenden Verschmutzung 1957 eingestellt werden musste.

Mitglieder des SV 08 Saarbrücken engagierten sich schon immer in den verschiedensten Ämtern des Saarländischen Schwimmbundes (SSB). So stellte der Verein u.a. seit 1948 mit Kurt Lücke und Norbert Kugler mehrmals den 1. Vorsitzenden des SSB.

Nach dem Tod des unvergessenen Kaspar Bock gelang es der neuen Generation unter den Trainern Erich Hoer, Sigi Knobel sowie Gudrun Planert, die Leistungen der Schwimmer, Wasserballer und der sehr aktiven Senioren des Vereins wieder zu steigern.

Der Schwimmverein 08 Saarbrücken sieht heute seine Aufgabe insbesondere darin, den Breitensport zu betreiben und bei möglichst vielen jungen Menschen das Interesse am Schwimmsport zu wecken, ohne dabei die Wichtigkeit sportlicher Spitzenleistungen zu unterschätzen.